Super Mario Spielfeld

Super Mario Spielfeld

Hallo zusammen,
in dem folgenden Bericht wollte ich einmal die Playfield-Restauration meines Super Mario Bros. von Gottlieb dokumentieren.

Ausgangsbasis:
Ich hab Ende 2010 meinen ersten Flipper erworben, mittlerweile sind es fünf. Der übliche chronische Platzmangel ist bei mir sehr ausgeprägt. Ich bin Ingenieur und handwerklich nicht ganz unbegabt, weshalb ich mir eine Flipperrestauration vorgenommen habe. Meine Erfahrungen lagen hierbei bis vor kurzem bei null. Mein Ziel bei der Sache war, viel dazu zu lernen und möglichst alles selber zu machen. Mir ist klar, dass hierdurch vieles nicht ganz perfekt wird und insbesondere beim ersten Projekt vieles von schlechterer Qualität ist, als ob man es für etliche 100 Euro von Experten machen lässt. Aber trotzdem einfach mal anfangen, wird schon irgendwie hinhauen.
Achja, ich mache das Ganze nur für mich selbst. Um zu lernen und damit mein Flipper mir hinterher besser gefällt. Ich bin mir im Klaren darüber, dass ich wohl mehr Geld in den Flipper hineinstecke, als er dadurch an Wertsteigerung erfährt. Ist halt ein Gottlieb.

Ein großes Dankeschön an dieser Stelle an Micha, ohne dessen Hilfe ich das Ganze nicht geschafft und mich wahrscheinlich nicht mal getraut hätte!

Das Projekt:
Objekt der Restauration ist mein Super Mario Bros. von Gottlieb (Sys3, Baujahr 1992). Sein Kabinett ist in einem recht ordentlichen Zustand. Leichte Ausbleichung, wenige Kratzer, eine Ecke der Backbox hat mal was abbekommen. Das Innenleben ist in einem Gottlieb-typischen Zustand. Die Plastics sind alle vorhanden und in gutem Zustand. Nicht gut geht es dem Playfield. Abspielungen z.B. an den Bumpern und am Kickback, teilweise Ablösung des Mylars und massiv ausgefranste Holes.

Demontage Playfield:
Mitte Juni hab ich angefangen das Playfield zu zerlegen. Hier bin ich sehr akribisch vorgegangen, habe jeden einzelnen Demontageschritt fotografiert und in die entsprechenden Bauteile in einen nummerierten Gefrierbeutel getan. Dieses Vorgehen bringt den Vorteil mit sich, dass ich hinterher alles wieder zusammengebaut bekomme, weil ich so eine Bauanleitung erstelle. Der Nachteil ist, dass z.B. das Tumbeln aller metallischen Kleinbauteile nicht möglich ist, ohne die Tütenstruktur wieder aufzulösen. Das ist in meinem Fall nicht so schlimm, da der Flipper innen ziemlich sauber war, Schrauben und Ähnliches nicht angelaufen waren.

Reinigung der Playfield-Bauteile:
Beim Reinigen der Playfield-Bauteile habe ich keine Spülmaschine verwendet. Einerseits habe ich keine, andrerseits habe ich mich nicht getraut. Ich habe alle Plastics mit Bref Powerreiniger für Fett und Eingebranntes (grüne Kappe) und Topfschwamm gereinigt, habe alle Tüten einzeln ausgepackt, den Inhalt gereinigt, getrocknet und wieder eingepackt.
Verschleißteile wie Hülsen oder Achslager wurden natürlich ersetzt.

Ersetzen der Plasticdecals:
Viele Plastics des SMB sind mit Decals beklebt, die teilweise Laufspuren aufwiesen und ausgeblichen waren. Da ich in Deutschland nicht fündig wurde, musste ich hier Ersatz aus den USA ordern. Mit Zoll und Versand ein teuer Spaß!

Restauration gelbe Röhre:
Die gelbe Röhre, die sich hinten links auf dem Playfield befindet, hatte ich vor diesem Projekt schon mit einfachsten Mitteln (abschleifen, neu verkleben, Haftvermittler, Sprühlack aus dem Baumarkt) aufgearbeitet.

Playfield-Scan
Nach der Reinigung des Playfields wollte ich dieses erst einmal einscannen, damit ich im Falle einer mutwilligen Zerstörung Sachen wieder rekonstruieren kann. Hierfür habe ich meinen alten HP-3-in-1-Drucker geschnappt, den Deckel des Scanners abgenommen, den Plastikrand des Scanners mit Säge und Cuttermesser entfernt. Nun ist die Glasscheibe natürlich lose, weshalb hier Panzertape zum Einsatz kam. So entsteht eine flache Scanebene, mit der man in 12 Einzelscans ein ganzes Spielfeld erfassen kann. Ich habe es am Anfang übertrieben und mit 600 DPI gescannt. Hierdurch entstehen mehrere GB an Daten und die Genauigkeit braucht es je nach Zweck nicht. 300 DPI reichen auch.

Entfernen Mylar & Klebstoff:
Auf dem SMB-Playfield sind große Bereiche mit Mylar überzogen, entscheidende Bereiche wie z.B. der Kickback aber leider nicht. Zur Entfernung des Mylars habe ich mich für Eisspray entschieden (3 Dosen bei eBay kosten weniger als 10 Euro). Zur Entfernung des Mylars habe ich knappe 2 Dosen benötigt. Die Methode hat sehr gut funktioniert, nur an ein paar wenigen Stellen habe ich den darunterliegenden Lack minimal beschädigt, Inserts hat es gar nicht erwischt. Mit ein bisschen mehr Übung und Erfahrung hätte man die Entfernung wahrscheinlich auch ohne Beschädigungen hinbekommen.
Blöderweise hatte noch ein Vorbesitzer einige Stellen mit irgendeiner Folie (nicht Mylar) schützen wollen. Diese ist unter Einwirkung des Eissprays gerissen und gebrochen, hier hat das Playfield auch Schaden genommen.
Der durchschnittliche Mylarentferner weiß: Wo vorher Mylar war, ist hinterher Klebstoff. Zur Entfernung habe ich Solvent50 genommen, hab es einwirken lassen und mit Küchenpapier abgerubbelt. Ging schnell und ohne allzu viel Aufwand.
Abschließend das Brettchen schnell noch entfetten mit Silikonentferner.

Spachteln:
Das Playfield verfügt an allen abgespielten Steller über Unebenheiten, die ich mit Pattex-2K-Füllkleber auffüllte, mit einer Cuttermesserklinge abzog, trocknen ließ und plan schliff. Besonders große Holzverluste hatte das Playfield an den beiden Holes links und rechts erlitten. Zur Prävention vor erneuter Abspielung habe ich mich dazu entschieden, diese Löcher zu verstärken und habe mir Aluminiumhülsen drehen lassen, die oben mit entsprechendem Radius auslaufen und Übermaß aufweisen. Diese habe ich dann in das Playfield gepresst, bis die Oberkante exakt auf Playfieldniveau lag. Nun sind die außenliegenden Abspielungen mit dem erwähnten Füllkleber leicht auf Höhe zu bringen.

Anschleifen Playfield:
Jeder durchschnittliche Airbrusher weiß: Immer schön sorgfältig anschleifen vor Lackarbeiten. Zu meiner Schande kommen wir an dieser Stelle zu Kapitel 1 der Unterrubrik „Bitte lernt aus meinen Fehlern“, wobei hier wohl nur von blutigen Anfängern Erkenntnisse gezogen werden können. Ich hab es vor einer Airbrushsession und nachträglichen Klarlackieren geschafft nicht sorgfältig genug anzuschleifen. Nach dem Klarlackieren schien noch alles in Ordnung, als ich aber Maskierungen während der folgenden Airbrushsession entfernte, entfernte ich den Klarlack darunter mit. Zuerst hab ich versucht das Ganze zu retten, die so entstanden Klarlackränder durch anschleifen wieder plan zu bekommen, dann fing ich an ein bisschen mehr Klarlack testweise abzuknibbeln und danach ging ich dazu über mit einem Ceranfeldschaber den kompletten Klarlack wieder zu entfernen. Das ging eigentlich ganz gut, aber natürlich machte ich nach meinem einen Vorwärtsschritt, drei Schritte zurück. Und wieder ganz von vorne anfangen!
Am Anfang des Projektes habe ich mit 400er Papier nass von Hand geschliffen. Das Problem hier ist, dass man sich damit alles zusaut und die Brühe in allen Löchern hängen bleibt und dort festtrocknet. Nach dem Tipp eines Lackierermeisters bin ich dazu übergegangen trocken zu schleifen. Hier kann danach alles schön weggesaugt und –gewischt werden. Je nach zu entfernender Klarlackdicke und gewünschtem Ebenheitsgrad habe ich 280er, 400er und 600er Papier genommen und entweder per Hand oder mit einem Schleifklotz gearbeitet.

Maskierung:
Zur Maskierung der zu brushenden Bereiche habe ich mir eine Kombination aus Handmaskierung, Linierband und Maskierungen per Vektorgrafik und Schneidplotter erarbeitet. Als Material hierfür habe ich medizinische Skalpelle mit runder Klinge (eBay), leichtklebende Maskierfolie (eBay) und einen Schneidplotter der Firma „Refine“ verwendet.
Zur Erstellung von Vektorgrafiken habe ich die zuvor erstellen Playfieldscans verwendet. Mit Coreldraw und dessen Tool „Stift“ habe ich in stundenlanger Handarbeit größtenteils von Hand nachgezeichnet. Nur wenige Elemente konnte ich automatisch vektorisieren. Zur Überführung der Datei zum Plotter musste sie als .plt-Datei abgespeichert werden. Anfangs waren alle mit dem Schneidplotter gefertigten Maskierungen ein wenig zu groß und mussten noch mit dem Skalpell gestutzt werden. Danach habe ich beim Plotter eine Skalierung von 99% eingestellt und die Maskierungen passten alle perfekt.
Die nicht zu brushenden Bereiche habe ich mit Zeitung abgeklebt, am Anfang noch großflächig, später immer weniger, da wirklich sehr fein gebrusht wird und kein Nebel o.Ä. entsteht. Daher kriegt man auch keinen Ärger, wenn man mal im Wohnzimmer brusht.

Airbrushen:
Bis zum diesen Projekt hatte ich noch nie etwas mit Airbush am Hut. Von daher habe ich zum Anfang bei eBay eingekauft. 140 Euro für ein Set mit Kompressor und ein zwei Pistolen. Das ist recht billig und wie sich später rausstellen sollte auch recht billig verarbeitet. Als ich zum fünfzehnten Mal die Düse zur Reinigung abgeschraubt habe ist das Gewinde abgerissen. Konnte das Gewinde zwar entfernen, hab dann aber in mehr Qualität investiert und mir als Airbrushpistole eine „Iwata Neo CN“ bestellt. Gute Entscheidung! Beim Airbushen selbst habe ich immer weiß vorgrundiert, dann die entsprechende Farbe hinterher. Immer schön trocken sprühen, meist hat ein 3,4-maliges Übersprühen der Fläche gereicht um zu decken. Zwischendurch immer schön nen bisschen trocknen lassen, da die Farben erst richtig decken wenn sie ganz trocken sind.

Wie ich die richtigen Farben hinbekommen habe? Dazu gleich ein einzelnes Kapitel, erst kommt es zum unrühmlichen Kapitel 2 der Unterrubrik „Bitte lernt aus meinen Fehlern“. Es ergab sich, dass etwas Farbe in der Pistole antrocknete und diese gesäubert werden wollte. Hier hab ich idiotischer Weise zu Terpentinersatz gegriffen, da ich das grad zur Hand hatte. Hinterher erfuhr ich, dass Terpentinersatz ölbasiert ist. Das fällt beim Brushen nach dem „Reinigungsvorgang“ erst einmal nicht auf, als es aber dann zum Klarlacken ging, kam das Playfield in katastrophalem Zustand wieder. Überall wo gebrusht wurde, waren die Flächen mit Silikonkrater übersät. Das Öl in der Farbe verhindert eine Anhaftung des Klarlacks. Also immer schön Nitro zur Pistolenreinigung nutzen!
Ich konnte meine Pistole durch mehrmaliges Reinigen mit Nitro, Airbrushpistolenreiniger und mehreren Gängen im Ultraschallbad retten.
Das Spielfeld konnte ich zum Glück noch retten, indem ich den Klarlack soweit anschliff, bis die Silikonkrater weitesgehend eben waren. Komplett eben geht in diesem Fall nicht, da in so einem Silikonkrater nahezu kein Klarlack haften bleibt. Versucht man nun so tief zu schleifen, schleift man den farbigen Lack darunter mit weg und kann wieder von vorne anfangen. Eine weitere Schicht viel Klarlack und nochmal anschleifen ebnete das Playfield.

Farben mischen:
Als Farbe zum Airbrushen nutze ich „Schmincke Aero Color Professional“. Die ist einfach zu verarbeiten und gibt’s bei mir um die Ecke im Bastelladen. Das bekannte Problem: alle amerikanischen Flipper sind mit Pantonefarben lackiert, aber wie bekommt man die Farbtöne hin? Mein Ansatz: Ich habe mir im Baumarkt für ein paar Euro einen RAL-Farbfächer gekauft und auf dem Playfield durch optischen Vergleich den RAL-Farbton bestimmt, der am besten passt. Schmincke bietet im weltweiten Netz ein mehrseitiges Dokument an, das die Mischungsverhältnisse mit „Schmincke Aero Color Professional“-Farben angibt, um alle RAL-Farbtöne zu erzeugen. Danach mische ich mir also den bestimmten Farbton. Dieses Konzept hat bei mir gut funktioniert, da ich so viele Farben nahezu exakt getroffen habe, oder zumindest eine gute Basis hatte, die ich noch leicht geändert habe, um den Farbton auf dem Playfield zu treffen.
Aber ACHTUNG: Das Ganze ist selbstverständlich nur eine Näherung, manche Farben passen super, andere eher nicht! Wenn man aber keine Ahnung von Farbenmischen hat, sehe ich keinen besseren Ansatz.

Klarlacken:
In regelmäßigen Abständen hab ich mein Playfield zur Konservierung der bisherigen Arbeit klarlackieren lassen. Ich habe es nicht selbst gemacht, sondern beim Autolackierer meines Vertrauens machen lassen. Genutzt wurde folglich handelsüblicher 2K-Autoklarlack.

Das fertige Playfield:
Nach einem halben Jahr, knappen 10 Schichten Klarlack und drei Zeitpunkten, an denen ich das Playfield fast aus dem Fenster geworfen hätte, ist es so weit. Das Playfield ist fertig restauriert. Und ich bin sehr zufrieden. Aber seht euch die Vorher/Nachher-Vergleiche an und urteilt selbst. Anmerkung: die weißen Bereiche links, rechts und oberhalb der Spielfläche habe ich nicht neu weiß gebrusht, da diese nach dem Zusammenbau nicht mehr sichtbar sein werden.

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